Raupe Nimmersatt – la chenille qui avait tojours faim – und andere spannende Dinge

Auch die Raupe Nimmersatt, die wir gebaut haben, muss sich nach all dem Essen die Zähne putzen – genauso wie die 50 Kindergartenkinder. Jeden Tag zweimal. Sie sind begeistert bei der Sache. Die meisten Madagassen haben durch mangelnde Zahnhygiene und Mangelerscheinungen mit 30 quasi keine Zähne mehr (naja, sie sterben ja auch mit 40 … ). Das wird bei unseren Kindern hoffentlich nicht so sein! Calcium gibt es mit der gesunden Pause, Zahnbürsten von der Schule.

Il faut brosser les dents! C´est une chose très important ici à Madagascar car la pluspart des gens a des dents horrible. Ou pas des dents du tout. Chez Les Pigeons, les plus petits developpent l´habitude de brosser 2 fois par jour avec les maîtresses … bravo!

Die Raupe Nimmersatt ist wahrscheinlich das einzige Bilderbuch, das ich (fast) komplett auf malagasy vorlesen kann, denn alles, was vorkommt, ist „sie hat großen Hunder“ und „sie hat immer noch großen Hunger“ – und das ist ja genau das, was man hier auf den Straßen von den Bettelkindern ständig hört, es ist quasi die Essenz allen madagassischen Seins: Wir haben Hunger. Schade eigentlich, dass die Madagassen nie wirklich SO viel zu essen bekommen, dass es zur Metamorphose reicht und all diese abgerissenen, staubigen Menschen sich einfach in Schmetterlinge verwandeln – aber HALT! Genau das ist es vielleicht, was wir mit der Schule hier tun? Wir machen die Kinder bunter, flatteriger, froher? Schmetterling heißt übrigens Lulu. Ich finde das sehr hübsch.

La chenille qui a toujours faim – le seul livre je peux lire entierement en malagasy, pour il ne faut que dire rien que „elle a faim“ et „elle a encore faim“ – et c´est extactement que j´écoute dans la rue toute la journée des enfans mendiantes. Un symbol pour ce pays … mais attention, les enfants chez NOUS sont en train de changer en papillons, multicoloré et heureux!

Und dann spreche ich mit den Größeren über die Meere. Die wenigsten waren jemals dort. Ein Wal? Hm, ja, das ist so ein Fisch eben. Wie groß? Hm. Mittelgroß? Wo lebt der? Keine Ahnung … Wir müssen dringend den großen Saal zum Kinosaal umfunktionieren, um bald eine Menge bildender Filme wie „Findet Nemo“ zu gucken. Den wir wissen jetzt, dass man in Walen Plastikmülll und sogar Fahrräder finden kann, wenn man die kaputten am Strand aufschneidet, und dass es im Meer etwas gibt, das Plankton heißt, komisch aussieht und irgendwas mit einem Schmuckstück namens Nahrungskette zu tun hat. Und das dem irgendwie die Versauerung nicht gefällt. Und das Schildkröten Plastiktüten fressen, das aber irgenwie nicht sollen. Nun, wir werden das noch vertiefen …

Et on parle des oceans maintenants. Une ballaine? C´ést quoi, exactement? Un poisson? Et apart des poisson, dans la mer il y a des …. des …. hm … sirènes! O la la. Personne ici a vu la mer. Pour ca, on va dessiner notre propre mer sur les murs du grand salle. Avec des coueleur, prochaine semaine.

Und dann müssen wir weiter „spielen lernen“. Ich stelle fest, dass eines der Probleme die erzwungene Zweisprachigkeit im Kindergarten ist, und wir sprechen darüber, dass die Kinder bitte erstmal die Farben in ihrer eigenen Sprache begreifen sollen (seeeeehr schwierig), ehe sie das auf französisch tun. Lernpsychologisch ist das ja hintertiefstes Mittelalter hier. Abwechselnde Farbreihen stecken blau-rot-blau-rot geht auch nicht, die Kinder sind (auch noch mit 6 Jahren) so begeistert davon, dass man bunte Stöpsel in die Steckplatte stecken kann, da gibt es kein Halten, also wirld durcheinander fürs erste. Als ich der 3. Klasse Memory beibringe, kloppen sie sich fast darum, wer die Karten umdrehen darf, und auch die Großen sind fasziniert. Ein Glück, denn die Regenzeit hat uns in ihren Klauen, und draußen ist nix mit Pause. Drinnen regnet es durch, zum Glück nur hie und da. In der Küche allerdings ist der Rauchfang so undicht, dass kleine Wasserfälle hinabstürzen und in großen Töpfen aufgefangen werden müssen …. Inzwischen laufen die Reparaturarbeiten. Außerdem ist unser Bliztableiter im Bau. Blitze hier sind nämlich ziemlich fies, sie erschlagen dauernd Leute, aber Blitzableiter sind zu teuer, sowas hat niemand. Die elektrischen Oberleitungen leiten fröhlich alle Blitze von den Hügeln hinab in die Täler und in das jeweilig „letzte“ Haus. Frankie, unser Tischlerlehrer, hat vorletzte Woche seine Cousine und zwei zehnjährige Nichten daher beerdigt. Ein paar Häuser weiter hat der Blitz letztes Jahr vier Kinder erschlagen, in einer anderen Schule vor einem Jahr sechs Kinder. Das nimmt man so hin. Wir nicht!

Et on continue à „apprendre de jouer“. Memory – une toute nouvelle chose. Alros, on joue pendant la pluie tombe et tombe et tombe au dehors. Et on est en train de construir un parafoudre, car au ce temps la le foudre est horriblement dangereux ici …

présentations, plantes, projects, et plus …

Die Weihnachtsferien sind vorbei, wir starten wieder durch. Die zweite und vierte Klasse, also zu deutsch: achte und zehnte Klasse haben mit etwas begonnen, was ich gerne überall einführen möchte: Präsentationen für andere Schüler. Hilfe, frei sprechen! Gleichzeitig haben wir freie, gleiche und geheime Wahlen eingeführt (seeehr ungewöhnlich in Madagaskar) und darüber gesprochen, warum das wichtig ist – die Schüler und einige Lehrer durfen den präsentierenden Gruppen Punkte geben. Nicht alle zweihundert, denn die pasen nicht gemütlich in den Saal, aber wir werden das ab und zu für einen Teil der Schüler durchführen … jetzt standen auf dem Menü: „Klimagase“, Erderwärmung, Erdöl (wie jetzt, das hat was mit Plastik zu tun, echt?) und Klimawandelfolgen – auf den Plakaten waren pupsende Zeburinder zu sehen und auch Zeburinder, die bei Zyklonen durch die Luft flogen, was alle freute. (wie jetzt, so was darf man da drauf malen?)

Les premiers groupes des élèves ont présentés ses affiches sur le changement climatique: chapeau! Tout le monde était un peu nerveux, car les autres pouvaient les donnes des points de 0 à 10 pour la presentations. Les élèves commencent á être des enseignants pour des autres élèves. On va continuer avec ca … Merci à tout le monde!

Und dann haben wir ja noch das Fach „nachhaltige Landwirtschaft“. Das klingt so großartig, bedeutet aber zunächst vor allem, dass wir einen Kompost besitzen und Gemüse anpflanzen. Und zwar entscheiden die Kinder, wo was hinkommt und ziehen die Reihen, krumm oder schief, egal – sonst dürfen Kinder in Madagaskar nie etwas entscheiden. Am Montag durften sie sogar ihr Gemüse photographiere,n jeder ein Photo, Portraits von glücklichem Salat. Graben tun sie alle gerne, das tun sie ja auch zu Hause auf dem Feld, und wollen alle zeigen, was sie können, hier sind dann die Kinder die besten, die sonst eigentlich noch nicht schreiben können, wie Maholy oder Jessica oder unser Problemkind Pascal, der sich nach dem Tod seiner Mutter als einziger der ziemlich verwahrlosten Familie traute, zur Schule zu kommen. Seine Geschwister wollten nicht, obwohl wir es ihnen angeboten hatten. Nun ist er da, wandert jeden Tag eine Stunde hin und eine zurück, denn bei uns gibt es ESSEN! Und Anerkennung. Und so lernt er, hoffentlich, mit seinen 9 (oder 10? Oder 11?) Jahren vielleicht schreiben und lesen. Aber graben kann er schon, strahlen auch, und sich prügeln! Man muss sich ja verteidigen, wenn einem die Welt nie etwas Gutes wollte, auweia, immer wieder Gespräche … ganz wie zu Hause in Wolgast auf der Förderschule. Aber ich schweife ab: unseren Weihnachtsbaum haben wir auch noch gepflanzt. Klar doch, jede Weihnacht einen Baum, dann gibt es irgendwann einen Wald.

Nos légumes poussent superbien! Toutes les enfants qui les ont plantés avaient la chance de prendre une photo chaque. Souris, salade! Mananasy! Et on a planté le sapin de Noel ensemble. Chez nous, ce sont les enfants qui decident, ou on plante, et comment, et maintenant l´arbre est un peu incliné – mais c´est l´art moderne. Chaque an un arbre de Noel – un jour on va avoir un forêt!

Mit der ersten Klasse und der Vorschule haben wir den Grüffelo gelesen und den Film gesehen. Alle lieben sie, die kleine Totosy, die Maus, die das große Monstre besiegt. Symbol für Madagaskar … einer der Schüler einer älteren Klasse sagte auf die Frage „wer fällt eigentlich das Rosenholz im Urwald?“ sofort mausemutig: Der Präsident, der will Geld verdienen. Josie, die Sekretärin lachte verlegen, und ich meinte: Recht hat er! Dann haben wir gezählt, wie viele Präsidenten es gibt: einen. Und wie viele Kinder in Madagaskar? Spontanantwort: 22 Millionen! Also so viele dann vielleicht nicht, aber auf jeden Fall sind sie in der Überzahl. Wer gewinnt also? Die Kinder!!!! Mal sehen, ob mich die Polizei demnächst für meinen Unterricht einlocht.

Avec les petit on a lu l´histoire „le Gruffalo“ de Axel Scheffler et vu le film – comme la petite souris gagne contre tous les animaux et le grand monstre aussi. Supersymbolique pour Madagascar. On va preparier un petit théâtre de Gruffalo pour les autres …

Pére Noel était chez nous

Des jouet pour les petits – et pour tous les grands une petite histore de Noel pour lire et des bonbons et des nouveauy stylos. Tratry ny fety! Jouyeux Noel!

Die meisten Madagassen bekommen nichts zu Weihnachten. Oder das eine Mal im Jahr etwas Neues anzuziehen. Oder Bonbons. Aber ein Geschenk? Neheee … Das haben wir ausnahmsweise dieses Jahr geändert und eine Meeeenge Stofftiere, Puppen und Bälle auf dem Markt erstanden, alt natürlich, und gewaschen und verpackt. Für die Großen gab es eine Geschichte, quasi auch gebraucht, Weihnachtsgeschichten muss man ja dauernd für irgendeinen Verlag schreiben. Eine der ganz kurzen hat Philipp französisiert, und Nomena, Umweltstudent an der Universität und unser professioneller Bibliotheks-Bilderbuch-Übersetzer, hat sie ins Madagassische übertragen. Viele Mädchen haben ihr feinstes (Vollplastik)Kleid angezogen, um zum Weihnachtsmann zu kommen. Ich glaube, Pére Noel selbst war ein bisschen heiß in seinem roten Dauenzeug, er muss sich da vergriffen haben, war wahrscheinlich kurz vorher am Nordpol.

Noel est presque là – Weihnachten steht vor der Tür (vor welcher der vielen bunten Türen in Les Pigeons????)

Für viele ist es das erste Mal in ihrem Leben: Die Kindergartenkinder schmücken einen Baum. Wer den großen bunten Ball fängt, darf dekorieren, aber das ist gar nicth so einfach, man muss hochgehoben werden … und der Baum duftet sooo gut! Vorher haben wir ein Bilderbuch über einen kleinen mickerigen Weihnachtsbaum gelesen, aber unserer ist riiiesig, man kann sogar darum herumtanzen, er ist MINDESTENS einen Meter groß.

On decore le sapin avec l´école maternelle – pour les enfants peut-être le premier sapin qu´ils decorent (et qui n´est pas de plastique blanc).

SO UND JETZT KOMMTS: Wir haben uns ein Suchspiel für die Paten ausgedacht! Einfach auf der Patenurkunde nachgucken, wie Ihr Kind heißt (meistens hat es ja minestens 5 zweihundertsilbige Namen) und dann auf den Bildern suchen. Wer sein Patenkind findet, hat gewonnen und bekommt ein glückliches Lächeln geschenkt. Drei Kinder waren leider an dem Tag krank, da konnen wir nichts machen.

Et maintenant – un jeu pour les parrains: qui trouve son enfants??

Le marché de Noel – la fabrication „professionnell“ de jouets durables commence

Wir besuchen den Weihnachtsmarkt des Collège Jules Vernes in Antsirabe, um unsere Spielsachen zu verkaufen – und siehe da, wir haben genug verdient, um die Mini-Soundanlage zu kaufen, die sich die Kinder gewünsch haben: Lautsprecher mit drangebautem Mikro. Allerdings haben wir bei weitem nicht alles verkauft, wir waren einfach zu produktiv vorher …

On était au marché de Noel de Collège Jules Vernes à Antsirabe pour vendre nos premiers jouets et decorations durables, et on a gagne assez pour acheter les amplificateurs que les enfants voulaients avoir pour l´école pour jouer de la musique pendant des fêtes our pour le théâtre …

des rois, des reines, des papillons …

Chaque lundi et jeudi, je vais à Talata pour lire des livres ou produiser des choses avec les enfants, pour les motiver et les expliquer le monde un tout petit peu … on a fait des coronnes après qu´on avait lit un livre avec un roi, et les papillons … hm, c´est parce que en theorie j´enseigne „environnement“, mais comment faire ca avec les plus petits? Les papillons et commet ils vivent c´est part d´environnement aussi, alors.

Jeden Montag und Donnerstag bastle und lese ich mit den Kindern und erzähle für sie befremdliche Dinge über die Umwelt. Unser Baum wächst jetzt in Blau im Großen Saal, und mit den Kleinen haben wir passend zu den Bilderbüchenr „die Suche“ und „die Reise“ Kronen gebastelt, und irgendwie ist das ja auch symbolisch, voilà: Die Kinder sind Könige der Welt. Wer was anderes behauptet, soll nur mal unsere Schule angucken! Als ich auch im Kindergarten basteln wollte, guckte mich die Maitresse etwas verwirrt an: BASTELN? Mit SO KLEINEN Kindern? Ja, basteln. Und mit Hilfe von Frank, der jetzt zweimal in der Woche im Kindergarten aushilft, haben wir das Leben und Werden der Schmetterlinge nachgespielt und gebastelt. Es lebe die Klorolle. Obwohl Madagassen natürlich eigentlich kein Klopapier benutzen, ich frage mich, ob die Kinder wussten, was diese Pappdinger waren.

A part ca j´essaie d´expliquer dans l´école maternelles qu´est-ce que c´est, c´est jeux à apprendre des choses …

Außerdem versuche ich, langsam „Lernspiele“ und „Sitzkreise“ im Kindergarten einzuführen. Eine sehr exotische Sache, noch immer. Aber alle machen brav mit. Die einfachsten Puzzle sind auch für die Erzieher eine Herausforderung.

Und natürlich basteln wir weiter für Weihnachten. Als ich in der achten Klasse eine Liste aufstelle, was es ohne Erdöl auf der Welt noch geben wird und was nicht, kommen wir darauf, dass Madagaskar ohne Erdöl noch ganz gut funktionieren wird, geht ja sowieso alles ohne Strom auf dem Dorf – Europa aber ganz schön dumm aus der Wäsche gucken wird. Dann basteln wir Engel für den Weihnachtsmarkt, und ich frage nur mal so: Auf welche Seite der Liste muss ich denn die Engel schreiben? Gibts die noch, ohne Erdöl! Auf die Seite mit „gibt´s nicht mehr!“, kommt es prompt. „Unter die Flugzeuge!“ Logisch, Engel fliegen, also funktionieren die nur mit Benzin. Hätte ich auch drauf kommen können.

Bricoler pour Noel

Noel, Noel … approche! Nous sommes en train de produiser beaucoup des choses pour vendre au marché de Noel à Antsirabe.

Weihnachten nähert sich – hier in Madagskar merkt man das nicht wie in Europa an einer überbordenden Stromverschwendung in den Straßen und Fenstern, sondern eigentlich nur daran, dass es vor der reichen, französischen Schule ein Plakat für einen Weihnachtsmarkt gibt. Und natürlich an den chinesischen Plastikbabypuppen im Eingangsbereich der beiden kleinen Supermärkte der Stadt. Wir hingegen basteln fleißig Dinge ohne Plastik und werden am 14. Dezember besagten Weihnachtsmarkt besuchen, um Christbaumanhänger und Kinderspielzeug aus recyceltem Holz und Stoff zu verkaufen. Wenn wir genug verdienen, habe ich versprochen, schaffen wir einen Mini-Lautsprecher mit Mikro an, SEHR wichtig für Feiern, Tanz auf der Wiese und Theater. Die Marienkäfer der ersten Klasse sind aber ganz und gar privat und werden geliebt und nicht verkauft!

Au même temps, je continue mes lecons non-frontals, et les enfants ont trouvés une nouvelle verité d´Afrique cette semaine (avec beaucoup d´aide): c´est pas „Il n´y a plus des arbres, parce que c´est trop chaud.“ Mais C´est trop chaud parce qu´il n´y a plus des arbres. Chapeau, 5ème classe!

Gleichzeitig geht der Anti-Frontalunterricht weiter. Inzwischen sind es einige Klassen gewohnt, dass ich Dinge wie einen Ball herumwerfe, um Leute dazuzubringen, zu antworten oder an die Tafel zu kommen. Natürlich darf man den Ball weiterwerfen und „Weiß ich nicht“ sagen, ein Satz, der den Madagassen aber nur sehr schwer über die Lippen kommt, selbst in ihrer eigenen Sprache. Es ist so viel einfacher, so zu tun, als hätte man etwas verstanden, und dann weiterzumachen wie bisher … sehr überraschend die Tatsache, was eigentlich Erdöl ist und wie das entsteht (auch für einige Lehrer). Auch die Existenz der Erdatmosphäre sorgt in der 8. Klasse für Erstaunen. Was ist denn um die Erde drumrum? Naja, halt Sonnenstrahlen … Dafür haben in der ersten Klasse plus Vorschule die Lehrer schon begeistert mit dem interaktiven Vorlesen angefangen, als ich in die Bibliothek komme. Wow!

A part ca, nous sommes au studio – pour la musique de la CD de Noel! Les pigeons chantent!

Und wir sind dabei, die Weihnachts-CD einzusingen – Musik liegt in der Luft. Madagassische, deutsche, englische und französische Weihnachtslieder, eines davon neu komponiert von Rose, extra für die CD, „the beggarkid“, was könnte besser zu Madagaskar passen. Kling Glöckchen ist eine konsonantische Herausforderung für die Madagassen, bis ein kleines Mädchen entschlossen den Refrain ändert, ab jetzt werde ich immer Klingelongelong singen, irgendwie klingt das viel hübscher. Bald kann man die CD erwerben ….

un jour normal á l´école

Ein ganz normaler Chaos-Tag in Les Pigeons

Der Alltag ist eingekehrt – noch nicht ganz, aber fast. Es ist ruhig in Les Pigeons, einzelne Lehrerstimmen dringen aus den Klassenräumen. Ich frage mich ja, ob irgendwer in der Französisch-Grammatikstunde, die auf Französisch abgehalten wird, aber mit einem Akzent, den nicht mal ich verstehe, irgendetwas begreift. Und Mathematik sieht so gruselig aus wie schon in meiner Jugend.

Anderes ändert sich: im Kindergarten gibt es jetzt weniger Frontalunterricht, und das mit den Schuhen hat auch endlich geklappt, drinnen aus, draußen an. Eine Mutter empört sich, ihr Kind würde manchmal auf eine MATTE gesetzt, ob wir denn keine Stühle hätten? Und Holy beruft eine Elternversammlung ein – die Eltern dürfen auf STÜHLEN sitzen und sind glücklich – um ihnen meine verrückte moderne Pädagogik zu erklären.

Jeden Montag wird es noch verrückter, da mache ich Unterricht, von morgens bis abends, alle Klassen, uff. Diesen Montag waren wir die Erde, das CO2 und die Sonnenstrahlen, die durch das CO2 leicht hinein zur Erde kamen, aber dann, weil die CO2-Kinder sich fest an den Händen hielten in ihrem Ring, schwieriger wieder hinaus … Ein großer Junge findet das alles reichlich kindisch, für die meisten anderen ist vermutlich nicht nur neu, dass es die Klimaerwärmung gibt, sondern auch, dass die Erde rund ist. Der große Junge darf nächstes Mal einen Vortrag zum Thema Erdöl und Erdgas halten. Ich bin SEHR gespannt.

Wir verziehen uns erstmal in den Saal und malen Urwaldblätter, um an der Wand nächstes Mal einen Baum aus Papier und Farbe zu pflanzen, der unser CO2 auffrisst. Urwaldblätter .. hm .. wie gehen die? Diese Kinder haben ja nie einen Urwaldbaumgesehen, stimmt.

Ich schleppe Bücher aus der Bibliothek an …

In einer jüngeren Klasse sind wir Raketen und fliegen zum Mond, den ich im großen Saal mit Kreide auf die Erde male, da muss man ganz komisch hüpfen, wenn man da ist – was ist eigentlich Schwerkraft? Und wo ist die größer und warum? Dann bekommt der Boden-Mond Strahlen und wird die Sonne, und da verbrenne ich leider, und dass die soooo groß ist, erstaunt alle sehr. Wir kreisen als Erde um die Sonne und als Mond um die Erde, das ist gar nicht so einfach, wenn man das gleichzeitig macht, wird einem wirklich schwindelig, arme Erde.

Am Ende malen wir Raketen, es gibt Beispiele in einem Buch, aber alle sitzen lange stumm vor weißen Blättern, denn Eigenkreativität wird sonst nicht von ihnen verlangt. Als eine nette Lehrerin dann auch eine Rakete malt und ich auch, geht es langsam voran, und am Ende, als die Stunde eigentlich aus ist, will keiner aufhören, zu malen.

Dann lesen wir in der ersten Klasse auf dem Bibliotheksfußboden ein Buch ohne Worte, das heißt, wir erzählen es uns gegenseitig, übrigens seeeehr empfehlenswert, DIE REISE, alle machen mit, Holy übersetzt fleißig wie in allen Stunden, und die Kinder kleben mit den Augen am Buch. Nächstes Mal kommmt die Fortsetzung, DIE SUCHE.

Ist jetzt aus? , frage ich hoffnungsfroh. Nö, jetzt ist Deutschunterricht, in der Mittagspause der anderen. Ach so, stimmt, ich habe ja auch noch zwei 17jährige Deutschschüler. In der Bibliothek ist es schön ruhig und luftig, wenn man die Tür zum Lesegarten öffnet, der NOCH nicht in Benutzung ist, denn selbstständig lesen ist nichts, was diese Kinder tun – klar, es gibt ja auch keine Kinderbücher auf Malagasy. Das werden wir ändern, Nomen, mein einer Deutschschüler und Holys Sohn, wird ab jetzt französische Kinderbücher auf Malagasy für uns übersetzen, damit die Kinder irgendwann auch neue Welten entdecken können, die völlig umsonst sind und für die man keinen Fernseher braucht. Lesen macht Kinder natürlich aufmüpfig, ich bin hoffnungsfroh.

Ist jetzt aus? Nee, jetzt fängt der Nachmittagsunterricht an.

Also gucken wir uns einen Bilderatlas an, wow, da ist sogar Madagaskar drin, und lauter tolle Bilder von Tieren, und dann verreisen wir mit Augen zu und dem Finger auf der Weltkarte nach Australien und in die USA und puzzlen zwei Weltkarten zusammen, das heißt, wir fangen mal damit an, denn puzzlen muss man auch erst lernen. Nein, zwei Teile passen nicht zusammen, wenn sie komplett unterschiedliche Farben haben und man gaaanz fest drücken muss. Und erst kommt der Rand. Aha? Bis nächste Woche soll diese (sechste) Klasse die beiden Puzzle, die jetzt hinten im Klassenraum auf Tischen liegen, fertig gemacht haben, naaaa, ob das was wird.

Am Ende bin ich KO, und jetzt habe ich die 11. Klasse und keine Lust mehr auf Klimawandel oder Weltall, die auch nicht, alle sind müde, wir üben also für die Weihnachts-CD und singen Kling Glöckchen auf deutsch. Das ist mit riesigen Jungs mit tiefen Stimmen sehr sehr lustig. Dann will ich drei Minuten früher Schluss machen, schließlich ist es halb sechs Uhr abends (NEIN! Drei Minuten VOR halb sechs!), und der Klassenlehrer, der eben zum Gucken vorbeikam, findet das völlig unverständlich, die Kinder sind erstaunt. Oweh, armes Madagaskar, drei Minuten Kling Glöckchen sind Dir entgangen!

Ansonsten fallen uns ständig Dinge ein, die noch fehlen, Stoffscheren, Kloputzeimer, Schwämme, ein Unterstand für die Eltern der Kleinen, damit sie nicht im Regen draußen warten müssen, denn die Regenzeit beginnt momentan mit Macht. Die Klos müssen endlich auch geflies und hygienisiert werden, das Waschbecken fließt in die falsche Richtung ab, so dass die Füße gleich mitgewaschen werden, aber auch noch ein hautschmeichelndes Bad aus rotem Schlamm bekommen … Listen werden geschrieben mit Dingen, die zu reparieren und zu besorgen sind, und wir haben jetzt einen Hausmeister, den wir dringend brauchen.

Philipp hat sogar das Internet überlistet, unter EINEM Fenster im großen Saal funktioniert es. Es ist aber auch ein SEHR schönes Fenster.

Am nächsten Tag sehe ich den Kindern zu, wie sie in der Holzwerkstatt beginnen, aus Sperrholz Christbaumanhänger auszusägen, in Mada. Gibt es keine Laubsägen, das ist etwas völlig Neues (aus Deutschland), auch die Akku-Stichsäge funktioniert, man ist fasziniert. Und drüben in der Nähwerkstatt entstehen die ersten weichen Spielbälle. Bis zum Weihnachtsmarkt der reichen Schule Mitte Dezember müssen wir noch eine Menge Kram zum Verkaufen herstellen … denn wir werden jetzt die erste nachhaltige Spielzeugfabrik Madagaskars, die Dinge aus Holz, Stoff und Recyclingmaterialien macht.

Jaja, Kinderarbeit … aber die Augen leuchten beim Sägen doch sehr, und Sägen bringt Regen, war ja klar, also schnell alle wieder rein ins Atelier und drinnen weiterbasteln! Durstig stellt der Rasen seine grünen Stacheln auf. Ein weiterer Tag in Talata geht zu Ende.

Einweihungsfest

So ein Gewusel! Über 300 Leute sind der Taube heute auf den Leib gerückt, haben Limonade getrunken und Chips gegessen, getanzt, ein Fußballspiel Lehrer gegen ältere Schüler mitverfolgt und sich als Silhouetten an die Mauer malen lassen. Ein Puzzle ist etwas sehr schweres, auch für große Kinder, nach einer halben Stunde hatten es die Fünftklässler dann mit viel Hilfe von mir – vermutlich haben sie in ihrem Leben einfach noch nie ein Puzzle gemacht. Auch noch ein paar Kräuter haben wir gepflanzt und direkt ist mir ein neues Patenkind zugelaufen, das Mädchen, das so fleißig den Spaten schwingt und dabei im Nieselregen die ganze Zeit erbärmlich fror, weil es nur ein Unterhemd und keine Schuhe hatte. Gehst du zur Schule? Ja klar. Wo denn? Weiß nicht. Da drüben woanders. In welche Klasse? Och … eigentlich warten wir darauf, dass wir das Geld zusammenhaben, damit ich hingehen kann. Aber vielleicht kriegen wir das auch eher nicht zusammen … äh … 6 Patenkinder hätten wir dann aktuell zu vergeben, wir nehmen sie erstmal ohne Paten mit, denn im Regen stehen lassen, kann ich keinen.
Außerdem scheint es eine Katastrophe zu sein, dass man im Kindergarten die Schuhe ausziehen muss, die Kinder haben nur ein Paar Schuhe pro Kind, keine Hausschuhe natürlich, und dieses eine Paar ist oft vererbt oder geschenkt gespendet und schwierig bis unmöglich zu schließen, binden, zuzuschrauben. Also werde ich morgen erstmal für alle Minikinder und Kindergärtner Plastikschlappen auf dem großen Markt besorgen, damit der Kindergarten benutzbar bleibt, denn mit Schuhen bei Regen rein und raus ist in dem roten Schlamm keine Option.

La fête

Tous les élèves et beaucoup des parents: plus que 300 gens ont visités le grand pigeon aujourd´hui, dansé, chanté, joué au football … Merci á tout le monde qui a aidé. Mais si Dieu veut qu´il pleut, pourquoi est-ce que Dieu ne fait pas une pluie de plus des chips et Fanta pour tous les gens qui sont venues …?